Oper

Komme gerade aus der Oper (Nabucco war’s) und kann es immer noch nicht fassen: Wann lernt die ach so kunstbeflissene Bildungsbourgeoisie endlich, das man zwischen Szenenbildern und nach Arien NICHT ständig klatscht (und war die Arie noch so toll, gottnocheins).

Das interessante ist darüber hinaus der Lemming-Effekt: Klatschen zwei Deppen in der vorderen Reihe, fangen die anderen in der Reihe dahinter auch damit an. ES STÖRT….Nicht nur die Sänger sondern auch den Dirigenten…mich sowieso.

Padauz,

K

Veröffentlicht in: on Juli 18, 2008 at 8:42 Kommentar schreiben
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Lecker, Lecker

Ich will diese Worte nie wieder (bei Tisch) hören müssen:

  • Maaahlzeit
  • Lecker
  • Köstlich
  • Prösterchen
  • Stößchen
  • Nachschlag

à propos: Wann unternimmt irgendwann mal jemand etwas gegen Tisch-Sets? Das gruseligste Dinier-Accessoire überhaupt. Denn Tisch-Mülleimer (anno 1950) sieht man ja heutzutage auch nur noch auf Schweizer Ski-Hütten (mit Ovomaltine-Styling) oder in Niedersächsischen Schützenvereins-Gaststätten.

Der Aal

Es hat sich etwas bewegt in unserem Land – hat es wirklich. Die Zeiten des Mit-vollem-Mund-Redens und Naseborens, der Ruppigkeit und des deutlich ausgestreckten Ellenbogens sind passé. Die Regeln des wohlerzogenen, gesellschaftlichen Miteinanders sind zur Genüge inhaliert. Das Business-Meeting der heutigen Zeit ist ein einziges Defilee der Freundlichkeit und des Anstands. Der ordinäre Restaurantbesuch wird für den Düsseldorfer Marketing-Fritzen, dank der virenhaften Verbreitung von Benimm-Trainern, nicht mehr zum öffentlichen Standgericht. Und die Vorzimmerdame kann heutzutage unfallfrei zwischen Arbeitgeberbrause und billigem „Proseccöchen“ unterscheiden.

Eine Schöne Sache, denkt sich der bis dato verzweifelte Knigge-Kämpe.

Doch halt! Es droht erneutes Ungemach. Denn die Landgewinne im Manieren-Krieg sind ein Pyrrhussieg. Das Streben nach dem geregelten Miteinander, nach dem Vorbild der „feinen Leute“ , hat einige Variablen bisher nicht erreichen können. Es sei zuvorderst die Lässigkeit erwähnt. Die diskrete Form der Nonchalance, die ein Small-Talk-Gespräch erst fruchtbar macht. Zum Haareraufen: Es ist schließlich die Lässigkeit, die als Katalysator dient und der um sich greifenden (und übertrieben ernst genommenen) Manieren-Manie und der damit einhergehenden Langeweile Einhalt gebietet.

Die zweite Variable ist Schneid: Wer nur korrektes Gesülze salbadert, der wird auch nicht anecken. Wer viel nickt und beipflichtet, dem ist Anerkennung im Mittelmaß gewiss. Politisch korrekte Aussagen und Themen sowie üblicher Konsensmatsch kaschieren nur spärlich die Unsicherheit desjenigen, der auf dem zwischenmenschlichen Parkett all zu leicht ins Schlittern kommt. Es sollte viel mehr gesagt werden, was man denkt. Man sollte den Schneid entwickeln, sich nicht hinter diskurs-ästhetischen Betonwänden verschanzen zu müssen.

Alles gleitet heutzutage, nichts traut sich mehr.

Kann man da nicht mal was machen? Ist ein deftiger Spruch in einer ansonsten gepflegten Konversation nicht das so wichtige Salz in der Suppe? Ist die im Gespräch gekonnt geäußerte Abfälligkeit nicht die nötige Würze in der Political-Correctness-Brühe?

Die Formel heißt nicht:

Etikette = Regeln einhalten+ Nichts Falsches sagen + Nicht mit vollem Mund reden + Höflich sein

Sondern:

Etikette =  Höflich sein + Verve + Lässigkeit + Schneid – Aalesglätte

Das Ergebnis: Deutlich weniger Langeweile!
Eine Kampfansage an den glatten Aal!

Horrido,
K

Veröffentlicht in: on Juli 11, 2008 at 9:14 Kommentare (1)
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